Australien ist mit fast 7,7 Millionen Quadratkilometern nicht nur ein eigener Kontinent, sondern auch eines der großen Flächenländer der Erde. Trotz dieser riesigen Fläche konzentrieren sich die rund 22 Millionen Australier nur auf wenige städtische Ballungszentren. Mit einem Urbanisierungsgrad von etwa 92 Prozent gehört der Kontinent zu den am meisten verstädterten Flächenregionen der Erde. Dabei leben mehr als die Hälfte der Einwohner in den Großräumen von Sydney, Melbourne, Brisbane, Adelaide und Perth. Die nächstgrößeren städtischen Zentren wie die Hauptstadt Canberra, Darwin und Hobart weisen schon deutlich geringere Einwohnerzahlen auf. Australiens Städte sind jung. Sie entstanden alle nach der Inbesitznahme des Landes für die britische Krone durch den Entdecker und Seefahrer James Cook Ende des 18. Jahrhunderts. Im Folgenden werden die wichtigsten Städte in Australien in einem Überblick näher vorgestellt.

Sydney – Australiens älteste Metropole

Australiens größte Metropole und älteste Stadt ist Sydney. Die Hauptstadt des Bundesstaates New South Wales an der pazifischen Küste markiert den Beginn der europäischen Besiedlung des Kontinents und der britischen Kolonisierung. Am 26. Januar 1788 landeten hier mit der sogenannten First Fleet rund 1000 Menschen, drei Viertel davon Sträflinge, die eine Ansiedlung errichteten und nach dem Namen des damaligen britischen Innenministers Sydney nannten. Zu Recht bildet die Stadt daher einen Ursprungsort Australiens. Die Stadt entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit stürmisch und wurde zu einem Hauptanlaufpunkt für Einwanderer aus Großbritannien und Irland. Einen weiteren Wachstumsschub brachte der Goldrausch der 1850er Jahre, der zahllose Goldsucher nach Australien zog und Sydney zum ökonomischen und kulturellen Zentrum Australiens machte. Bereits in den 1920er Jahren zählte die Stadt mehr als eine Million Einwohner, heute leben circa 4,6 Millionen Menschen im Ballungsraum von Sydney. Das bekannte Wahrzeichen der Stadt ist das futuristische Opernhaus mit seiner gewagten Dachkonstruktion und der nahe gelegenen Sydney Harbour Bridge. Es steht für die Rolle Sydneys als Australiens Kulturmetropole. Die Theaterszene der Stadt gilt als die bunteste und vielfältigste Australiens, Besuchern bietet eine reiche Museumslandschaft eine Vielzahl interessanter Ausstellungen und Sammlungen, zahlreiche Veranstaltungen und Festivals prägen den Jahreslauf. Die Skyline der Stadt wird vor allem durch moderne Hochhausbauten im Central Business Distrikt bestimmt, vom höchsten Gebäude der Stadt, dem Sydney Tower, hat man einen hervorragenden Panoramablick. Sydney ist das Handels-, Verkehrs- und Industriezentrum Australiens. Mehr als die Hälfte der australischen Konzerne hat hier ihren Sitz. Australiens größte Börse, viele Banken und Versicherungen sind in Sydney ansässig. Die Stadt verfügt über den bedeutendsten australischen Flughafen und ist Verkehrsknotenpunkt für Straßen- und Schienenverkehr sowie die Schifffahrt. Autoindustrie, Maschinenbau, Elektronik, Erdölprodukte, Textilien und Nahrungsmittelherstellung gehören ebenfalls zum Wirtschaftsleben der Stadt. In Sydney sind mehrere Universitäten vertreten, darunter mit der Sydney University Australiens älteste Hochschule.


Melbourne – Stadt mit Lebensart

Australiens zweitgrößte Metropole bildet Melbourne. Die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria im Südosten des Kontinents liegt an der weiten Port-Phillip-Bucht und gilt als südlichste Millionenstadt der Welt. Die Gründung der nach einem britischen Premierminister benannten Stadt geht auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Unterschied zu Sydney wurde Melbourne von Anfang an nicht als Sträflingskolonie sondern als freie Siedlung planmäßig angelegt. Das große Einwohnerwachstum der Stadt begann vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, bereits vorher hatten Goldfunde in Victoria viele Goldsucher angezogen. Heute umfasst die Agglomeration von Melbourne 4,1 Millionen Bewohner. Viele Zuwanderer aus dem asiatischen und südeuropäischen Raum prägen die Bevölkerung. Nach der Gründung des Australischen Bundes im Jahre 1901 war Melbourne zunächst Hauptstadt und Regierungssitz. Die Hauptstadtfunktion verlor es 1913 und die Funktion als Regierungssitz 1927 an Canberra. Melbournes Stadtbild wird von modernen Hochhausbauten geprägt, historisch zeigt sich noch der Bereich um den Queen-Victoria-Markt – eine Besucherattraktion. Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt bildet das Melbourne Museum, ein großer Museumskomplex, der sich unterschiedlichen Ausstellungen widmet. Melbourne gilt als multikulturelles Zentrum Australiens mit besonderem Flair. Mehrfach wurde die Metropole als lebenswerteste Stadt der Welt ausgezeichnet. Melbourne ist auch ein Industriezentrum. Neben Werften, Erdölindustrie und Chemie ist die Stadt ein Hauptsitz der australischen Minen- und Bergwerksindustrie. Mehrere renommierte Universitäten und Hochschulen tragen zum guten Ruf der Stadt bei.

Canberra – Hauptstadt auf dem Reißbrett

Canberra verdankt seine Existenz in gewisser Weise der Konkurrenz zwischen Sydney und Melbourne. Nach der Gründung des Australischen Bundes konnte man sich auf keine der beiden rivalisierenden Städte als endgültige Hauptstadt und Regierungssitz einigen. Der Kompromiss war die Errichtung einer neuen Kapitale, die zwischen beiden Städten gelegen war – Canberra. Ab 1911 begann man mit der Errichtung des Australian Capital Territory und dem Bau der neuen Hauptstadt ‘auf der grünen Wiese’. Canberra ist eine großzügig und planmäßig angelegte Gartenstadt mit großen Grünflächen. Die Stadtanlage schritt zunächst nur langsam voran, so dass erst 1927 der Regierungssitz in die neue Hauptstadt verlegt wurde. Die Hauptstadt- und Regierungsfunktion bestimmt das Stadtbild Canberras. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, das repräsentative Regierungs-, Parlaments- und Museumsbauten zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt gehören. Canberra ist eine Stadt der Administration und der Bildung, weniger ein industrielles Zentrum. Mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 330.000 liegt Canberra in der Liste der größten Städte Australiens an achter Stelle.

Brisbane – das Zentrum Queenslands

Die Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaats Queensland bildet mit einer Einwohnerzahl von knapp über zwei Millionen Menschen Australiens drittgrößtes Ballungsgebiet. Die Ursprünge der Stadt gehen auf eine Gründung als Sträflingskolonie im Jahre 1825 zurück. Bereits wenige Jahre später wurde die Strafkolonie aufgelöst und die freie Siedlung ermöglicht. Seitdem nahm die Stadt einen stürmischen Aufschwung. Die Stadt erstreckt sich entlang des Brisbane River, im Zentrum – dem Central Business District – dominieren inzwischen moderne Wolkenkratzer, die hier im Unterschied zu anderen australischen Städten aber weniger dicht gebaut sind. Brisbane gilt als eine Stadt der Universitäten. Zehn Hochschulen – u.a. die University of Queensland und die Queensland University of Technology – sind hier vertreten. Wegen der Nähe zu den nahe gelegenen Feriengebieten der Sunshine Coast und der Cold Coast ist Brisbane auch ein beliebtes touristisches Zentrum.

Adelaide – Festival City

Am Saint-Vincent-Golf an der australischen Südküste gelegen ist Adelaide das urbane Zentrum des Bundesstaates South Australia. 1836 wurde die Stadt – ähnlich wie Melbourne – als freie Siedlung und nicht als Sträflingskolonie gegründet. Rund 1,2 Millionen Menschen leben heute in der Agglomeration. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele südeuropäische Einwanderer und in den 1970er Jahren nochmals Asiaten und Lateinamerikaner in die Stadt. Adelaide trägt wegen seiner vielen Veranstaltungen und Festivals den Beinamen Festival City. Das Adelaide Festival Centre gehört zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt ebenso wie der breite Parkring, der das alte – heute mit Geschäfts- und Bürobauten bestandene – Stadtzentrum umgibt. Bekannte Festivals bilden das Glenelg Jazz Festival und das Adelaide Festival of Arts. Adelaide gilt als ein Zentrum der australischen Rüstungsindustrie.

Perth – Metropole des Westens

Weit entfernt von den Siedlungszentren im Süden und Südosten des Kontinents erstreckt sich Perth im Westen Australiens am Swan River nahe der Mündung in den Indischen Ozean – de facto eine Insel der Zivilisation. Über 2000 km sind es von hier zur nächsten größeren Stadt, Adelaide. In Perth konzentriert sich die Bevölkerung Westaustraliens. 1,65 Millionen Menschen leben hier. Die Gründung der Stadt geht auf das Jahr 1829 zurück, als eine britische Siedlung mit dem Ziel errichtet wurde, eine Kolonisierung durch die Franzosen zu verhindern. Perth ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Westaustraliens. Die weitflächige Stadt besticht mit ihren ausgedehnten Grünanlagen wie dem Kings Park. Neben vielen modernen Bauten sind in Perth auch noch einige historische Sehenswürdigkeiten aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Die Stadt gilt wegen der Nähe zum Indischen Ozean als Zentrum des Segel- und Wassersports. Das Perth Cultural Centre ist ein Distrikt mit vielen interessanten kulturellen Einrichtungen.

Darwin – Tor nach Asien

Australiens nördlichste Großstadt ist Darwin, die Hauptstadt des Northern Territory. Die nach dem Forscher Charles Darwin benannte Stadt wurde 1869 gegründet und zählt heute gut 120.000 Bewohner. Wegen ihrer geographischen Nähe zum nördlichen Indonesien und Neuguinea wird die Stadt auch als Australiens Tor nach Asien bezeichnet. Nicht immer war dies von Vorteil. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt Ziel japanischer Luftangriffe. In Australien ist die Stadt mit multikultureller Prägung vor allem als Austragungsort von sportlichen Großveranstaltungen bekannt. Der Darwin Cup und die Arafura Games sind Beispiele für überregional bekannte Sportereignisse.

Hobart – Tasmaniens Hauptstadt

Als einzige Großstadt liegt Hobart nicht auf dem australischen Kontinent, sondern auf der südlich davon gelegenen Insel Tasmanien. Die Stadtgeschichte von Hobart ist die einer klassischen Sträflingskolonie, die hier 1803 errichtet wurde. Heute leben hier 210.000 Menschen. Hobart ist vor allem als Touristenzentrum bekannt, Bedeutung besitzt auch der Seehafen. Eine Attraktion ist der Wochenmarkt am Salamanca Place, der sich durch seine historischen Warenhäuser aus dem 19. Jahrhundert auszeichnet. Hobart ist Endpunkt der weltbekannten Sydney-Hobart-Segelregatta, die jährlich im Dezember ausgetragen wird.

Fazit zum Themenkomplex “Städte in Australien”

Wer jahrhundertealte historische Sehenswürdigkeiten sucht, wird von Australiens Städten enttäuscht sein. Zu kurz ist die Geschichte der urbanen Zentren des Landes. Wer aber ein lebendiges Bild von Australiens heutiger Gesellschaft, der Lebensfreude und Lebensart der Australier und der australischen Kultur haben möchte, für den bieten die großen Städte in Australien eine faszinierende Entdeckungsreise. Je nach Region und Vergangenheit verfügt dabei jedes Zentrum über seinen spezifischen Charakter und seine eigene Anziehungskraft. Australiens Städte und ihr pulsierendes Leben gehören ebenso zum Bild des Landes wie die faszinierende Weite seiner menschenleeren Landschaften.